By Juni 11, 2014 0 Comments Weiterlesen →

Fußball-Nationalmannschaft der Cerebralparetiker vor erster internationaler Meisterschaft

Trainingsimpressionen der Nationalmannschaft CP Fußball. Foto: Marion Peters

Trainingsimpressionen der Nationalmannschaft CP Fußball. Foto: Marion Peters

„7 : 2 stand es am Ende – alles gut“, resümiert Thomas Pfannkuch, der Cheftrainer der CP-Nationalmannschaft des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), das Ergebnis des Testspieles seiner Mannschaft gegen die A-Jugend von „Grün-Weiß“ Waggum ( nichtbehinderte Spieler) als Höhepunkt des Lehrganges in Braunschweig am vergangenen Wochenende. „Wir haben die eine oder andere Chance noch nicht genutzt, aber das Zusammenspiel der noch jungen Mannschaft wird immer besser. Neu erlernte taktische Spielzüge können bereits umgesetzt werden, wir sind auf einem guten Weg“, freut sich Thomas Pfannkuch (44), der beruflich als Dozent tätig ist. Vorerst wichtigste Etappe dieses neuen und gemeinsamen Weges der 15 Spieler und des 5-Köpfigen Betreuerteams werden die Europameisterschaften der internationalen Sportorganisation für Menschen mit Cerebralparese (CP-ISRA) vom 20.07. bis 03.08.2014 in Portugal sein.

Sport für alle – Fußball auch mit Cerebralparese möglich

Willi Lemke, ehemaliger Präsident des SV Werder Bremen und heute Sonderberater für Sport im Dienst von Entwicklung und Frieden des UN-Generalsekretärs Ban Ki-moon betonte erst am Freitag auf dem 14. Hamburger Symposium Sport, Ökonomie und Medien den besonderen Beitrag des Sports für Bildung und Erziehung, dem der Olympische Geist inne wohnen und der jedem zugänglich sein muss. Bemerkenswert war die Aussage, dass sich der Wert des Erfolges einer Sportnation nicht allein in der Anzahl der gewonnenen Medaillen, sondern vor allem im Umgang und der Förderung von Menschen mit Behinderung widerspiegelt. In Deutschland hat dieser einen hohen Stellenwert und die Sportart Fußball gehört dazu. Für Menschen mit Cerebralparese, einer neurologischen Schädigung mit Auswirkungen auf die Bewegungsmotorik, steht die Entwicklung national am Anfang. Noch im paralympischen Programm Londons ohne Deutsche Beteiligung, organisierte die Bildungsakademie des DBS im Vorjahr einen ersten Informationslehrgang in Hennef. Seitdem gibt es regelmäßige Treffen und die Teilnahme an den ersten Europameisterschaften steht 2014 im Fokus. „Ein solches Event bietet uns die Chance, so viel wie möglich über Spielsysteme, Klassifizierungsangelegenheiten, den Spielmodus und vieles mehr zu erfahren, wir werden alle Informationen wie den bildlichen trockenen Schwamm aufsaugen, um nach den Europameisterschaften die nächsten strategischen Entwicklungsschritte abzustecken“, so der Chef-Trainer. Klar ist, dass sich die 15 vornominierten Spieler sehr auf die Europameisterschaften freuen und hochmotiviert dafür trainieren. „Die Spieler sind enorm stolz, bei der Deutschen Premiere dabei zu sein. Wenn sie dann mit den Nationaltrikots ihrer DFB-Helden auflaufen und die Hymne hören, wird das für alle Beteiligten ein sehr emotionaler Moment, die Jungs sind dann ihren Vorbildern, die sie in den kommenden Tagen bei der WM genau beobachten werden, ganz nah“, so Pfannkuch.

Am Erfolg des Fußballs teilhaben lassen – Sportfreunde Braunschweig e.V. gehen voran

Von dieser identitätsstiftenden Wirkung und der sozialen Verantwortung des Fußballs berichtete auf dem bereits erwähnten Hamburger Sportsymposium Dr. Reinhard Rauball, Präsident des Ligaverbandes (Bundesliga) und Präsident von Borussia Dortmund. „Erfolge und Emotionen des Profifußballs in Deutschland sollen Werte wie FAIR PLAY vermitteln, das Zusammengehörigkeitsgefühl stärken und auch die Inklusion und Integration fördern. Mehr als 170 soziale Projekte realisieren die verschiedenen Stiftungen unter dem Dach des DFB bzw. der Bundesliga“, so Rauball. Die Sepp Herberger-Stiftung unterstützt zum Beispiel Koordinatoren in allen Fußball-Landesverbänden des DFB im Bereich des inklusiven Fußballs, um Menschen mit Behinderung in Bewegung zu bringen. Auch das letzte Vorbereitungsspiel vor der WM am vergangenen Freitag stand unter dem Zeichen einer Benefizveranstaltung, deren Einnahmen die Projekte unter anderem finanzieren. Etwas aus ihrer erfolgreichen Zeit als Profifußballer wollten auch Tina Klose und Thomas Pfannkuch gesellschaftlich einbringen. Während Tina unter anderem in Wolfsburg aktiv war, spielte Thomas bei Eintracht Braunschweig und Borussia Mönchengladbach. „Die Sportfreunde Braunschweig e.V. entstanden aus der Idee mehrerer ehemaliger Fußballprofis, etwas von dem zurückzugeben, was der Sport ihnen gegeben hat. In diesem Fall hat die Sportart Fußball unser Leben in jeder Hinsicht positiv geprägt. Mannschaftssport ist eine wunderbare Erfahrung, die leider bisher gerade Menschen mit Behinderung oft nur schwer zugänglich gemacht wird. So entstand die Idee zum ehrenamtlich agierenden Sportverein, dem unter anderem auch Florian Meyer, langjähriger national wie international auf höchstem Niveau tätiger Schiedsrichter angehört“, erläutert Tina Klose, Assistenztrainerin der DBS-Auswahl die Beweggründe des gemeinsamen Engagements. Ein Internetauftritt der Sportfreunde Braunschweig e.V. verdeutlicht noch mehr Details der inhaltlichen Arbeit. Zu finden ist die Homepage unter: www.sportfreunde-braunschweig.de

FIFA-WM 2014 in Brasilien im TV – Paralympics 2016 in Brasilien im Visier

Uns geht es darum, Menschen mit Behinderung im Fußball auszubilden und mit nichtbehinderten Spielern in Aktion zu bringen. Mit dem Vertrauen und der Unterstützung des DBS, sowie seiner Landesverbände, wollen wir das bundesweit aufbauen, denn die kommenden EM ist zum lernen eingeplant, doch für die Paralympics 2016 in Rio de Janeiro müssen wir uns in Turnieren qualifizieren und das setzt ein hohes spielerisches Niveau und einen guten Stamm an Auswahlspielern voraus. Hier ist besonders wichtig, die Spieler verschiedener Startklassen gleichermaßen zu sichten. Das umfasst junge Menschen ab einem Alter von 15 Jahren die gern und gut spielen, egal ob eine spastische Diparese, Hemiparese, Mono- oder Tetraparese vorliegt. Ohne Ehrgeiz wird es nicht gehen. Jetzt ist der Fokus ganz klar auf Portugal gerichtet und die Fragen zur Teamausrüstung, Reisevorbereitungen und der richtigen Teamtaktik sind zu klären.

Ansporn für die letzten EM-Tests

War es dieses mal noch ein Endstand von 7:2 für die (nichtbehinderten) Gegner, sollte beim nächsten und wahrscheinlich letzten Testspiel das Ergebnis ausgeglichen sein und dann wäre für den ersten Stand der Entwicklung schon enorm viel passiert und das Deutsche Team gut gerüstet für die EM in Portugal.

 

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Veröffentlicht in: Sport

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