Humanitäre Krisen: Menschen mit Behinderung besonders betroffen

Etwa 20 Millionen Menschen mit Behinderung sind von humanitären Krisen betroffen. Da sie oft schon vor einer Katastrophe am Rande der Gesellschaft leben, ist es für sie noch schwieriger als für andere, aus einem Katastrophengebiet zu fliehen und Zugang zu humanitären Hilfsmaßnahmen zu finden.

Drei Viertel der Menschen mit Behinderung, die von einer humanitären Krise betroffen sind, gaben in einer von Handicap International 2015 durchgeführten Studie an, keinen angemessenen Zugang zu grundlegender Hilfe wie Nahrung, Unterkunft oder medizinischer Versorgung gehabt zu haben. Die Hälfte hatte keinen Zugang zu speziellen Leistungen wie Rehabilitation und Mobilitätshilfen.

 

Humanitäre Hilfe für Behinderte

Menschen mit Behinderungen haben es in Krisengebieten besonders schwer.
Foto: Frederic Buyckx/Handicap International

 

Die Belange von Millionen Menschen mit Behinderung, die von humanitären Krisen betroffen sind, müssen in Zukunft vollständig berücksichtigt werden, fordert Handicap International in einer Pressemeldung. Dies ist ein Kernziel des humanitären Weltgipfels, zu dem am 23. und 24. Mai mehrere tausend Teilnehmende in Istanbul erwartet werden.

Handicap International hat zusammen mit anderen Akteuren im Vorfeld eine Charta über die Inklusion von Menschen mit Behinderung ausgearbeitet, die im Rahmen des Gipfels den Delegierten der Staaten sowie internationalen und nationalen Hilfsorganisationen zur Unterzeichnung vorgelegt werden wird. Die Anzahl der Unterzeichnenden bestimmt maßgeblich, welche konkreten Verbesserungen bei der Versorgung von Menschen mit Behinderung in Krisensituationen erreicht werden können.

„Zum ersten Mal setzen sich Hilfsorganisationen, Staaten und Geldgeber der humanitären Hilfe gemeinsam dafür ein, die Rechte und Bedürfnisse von Menschen mit Behinderung in Notlagen besser zu berücksichtigen. Dass diese Menschen in der Nothilfe bisher oft vergessen wurden, ist eine Ungerechtigkeit“, erklärt Susanne Wesemann, Geschäftsführerin von Handicap International Deutschland. „Wir sind froh, dass die menschenrechtspolitische Sprecherin der Bundesregierung, Bärbel Kofler, an der Sondersitzung teilnehmen wird und die deutsche Regierung signalisiert hat, die Charta zu unterzeichnen.“

AWS/PM

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