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Ausgabe 2010-2



Aktuelles

Kurzmitteilungen


Klaus Herzog
Rollikids vergeben Rollstuhlführerscheine

Klaus D. Herzog von der Rollstuhljugend im DRS (www.rollikids.de) war auf der REHACARE ständig unterwegs. Als Eyecatcher hatte er sich eine Pollizei-Uniform angezogen, um für die Rollstuhlführerscheinprüfung in der Sporthalle zu werben. Die Rollikids sind ein wichtiger Baustein für Kinder, die auf den Aktivrollstuhl angewiesen sind. Bei Vorbildern wie Klaus Herzog lernen sie Kniffe und Tricks rund um den Rollstuhl. Am Ende gibt es dann den heißersehnten Rollstuhlführerschein.
 

Speedy Service-Center in Sulz

Vor fast einem Jahr verunglückte Rolf Kuhlmann aus Delbrück während der Handbikefahrt zur täglichen Mittagspause. Bettina Kuhlmann hat inzwischen die Ruder bei speedy fest in der Hand. Die Neueröffnung des zweiten Service-Centers in Sulz am Neckar war noch eine von Rolf Kuhlmann geplante Reihe von Servicehäusern quer durch die Republik. Beratung, Tests, Anpassung und natürlich auch Verkauf sollen so dezentralisiert und erleichtert werden: für die Kunden und für die Außendienstmitarbeiter. Nun weht die Firmenfahne also am Neckar. Wer des Center nutzen möchte, sollte sich unbedingt einen Festen Termin geben lassen: 0 74 54 / 98 09 341
 

Neuer Ratgeber ABC Mobilität herausgegeben

Autor Holger Kranz hat im Auftrag des BSK einen Ratgeber zusammengestellt, der eine aktuelle Übersicht über viele Themenbereiche der Mobilität für Menschen mit Behinderung gibt. Gegen eine Schutzgebühr von 2,50 � kann der Ratgeber im Format DIN A 5 direkt beim BSK bestellt werden: info@bsk-ev.org
 

Ökumensicher Kirchentag

Der 2. Ökumenische Kirchentag 2010 lädt vom 12. bis 16. Mai nach München ein Informationen, auch spezielle Information für Menschen mit Behinderung, zur Anmeldung, Teilnahme und Unterkunft sind erhältlich bei der Geschäftsstelle des 2. Ökumenischen Kirchentages unter Telefon 089 559997-233 und im Internet unter www.oekt.de.
 

Thrombosen bei Flugreisen unwahrscheinlich

Die Gefahr, während einer langen Flugreise eine tiefe Venenthrombose zu bekommen, wird häufig überschätzt. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen hat nun Erfahrungen von Millionen Flugreisenden ausgewertet. Danach haben lediglich zwei bis fünf von 10.000 Menschen nach einem Langstreckenflug von mehr als sechs bis acht Stunden eine tiefe Venenthrombose entwickelt (höchstens 0,05 Prozent). Selbst bei Reisenden mit erhöhtem Risiko (z. B. mit ausgeprägten Krampfadern oder starkem Übergewicht) sei eine Reisethrombose nicht sehr wahrscheinlich. Nur 20 von 10.000 Fluggästen sind davon betroffen (0,2 Prozent). Zudem fand das Institut bei einer Flugdauer unter vier bis sechs Stunden keine überzeugenden Hinweise dafür, dass das Thromboserisiko überhaupt erhöht ist. (Deutsches Ärzteblatt)
 

Chatforum für Muskeldystrophiker

Die Aktion �Benni & Co.� hilft Menschen, die an Duchenne Muskeldystrophie leiden. Neu auf der Website der Aktion ist ein Chatforum, das sich in erster Linie an betroffene Jugendliche ab 16 Jahren richtet, und zum Meinungs- und Erfahrungsaustausch einlädt. Ins Leben gerufen wurde es von Betroffenen. Gregor Loevenich (20), der wie seine beiden Brüder Johannes (21) und Martin (16) an Duchenne Muskeldystrophie leidet, hat das Portal gemeinsam mit Familie Hornkamp, die hinter Benni & Co. steht, eingerichtet. Der Weg zum Forum: www.benniundco.de, von dort auf den Menüpunkt Forum / Chat und dann auf Unter uns! Junges Duchenne Forum klicken.
 

Vorlesepreis für Paul Maar

Paul Maar, Autor von Kinderbuch-Klassikern wie "Der tätowierte Hund", "Lippels Traum", "Herr Bello und das blaue Wunder" und vor allem der "Sams"-Reihe, wurde am 25. September in Köln mit dem Deutschen Vorlesepreis 2009 für sein Gesamtwerk ausgezeichnet. Das Werk von Paul Maar sei von "großem Respekt vor der Lebens- und Empfindungswelt der Kinder" gekennzeichnet, "ohne jemals ins Rührselige zu verfallen oder moralisch belehrend zu wirken", heißt es in der Begründung der Jury (Vorsitz: RTL-Chefredakteur Peter Kloeppel). "In den phantasievollen Geschichten von Paul Maar findet sich das schüchterne Kind ernst genommen wieder, aber genauso der freche, vorlaute Typ. Überall schwingt ein Appell für Toleranz und liebevolles Zusammenleben mit - aber nur als Subtext, ohne jede Aufdringlichkeit."
 

Neue Behandlungsmethode für Rückenmarksverletzte?

Mit einer Mischung aus elektrischen Stimulationen und Medikamenten ist es Forschern gelungen, Ratten, deren Rückenmark zuvor durchtrennt worden war, ihre Bewegungsfähigkeit zurückzugeben. Gr�goire Courtine, Professor an der Universität Zürich, schließt aus dem bisherigen Verlauf der Versuche, �dass das Rückenmark zu beinahe kognitiven Prozessen fähig ist.� Fernziel der Forschung, über die in der Zeitschrift �Nature Neuroscience� berichtet wird, könnte sein, Prothesen zu konstruieren, die in die Wirbelsäule eingesetzt werden, und dort elektrische Impulse abgeben. Nach Courtines Angaben könnten diese innerhalb von vier Jahren beim Menschen einsetzbar sein.
 

Spontan in Dresden

Nicht mehr 24 Stunden, sondern nur mehr 30 Minuten reichen für mobilitätseingeschränkte Reisende in Dresden nun, um Hilfe am Zug anzufordern. Mit der offiziellen Freigabe eines erweiterten Mobilitätsservices der Deutschen Bahn im Verkehrsbereich der S-Bahn Dresden im September 2009 wurde eine weitere Teiletappe des Projektes �ÖPNV/SPNV für alle� realisiert, das vom BSK-LV Sachsen im Auftrage der Landesarbeitsgemeinschaft Selbsthilfe Sachsen e.V. getragen wird. Gemeinsam mit der DB Regio und dem Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) wurde eine Lösung konzipiert, die es ermöglicht, dass zunächst im Bereich der S-Bahn Dresden die erforderliche Hilfeleistungen so kurzfristig telefonisch angemeldet werden können. Das bezieht sich auf Hilfeleistungen für das Einsteigen bzw. Einfahren in die S-Bahn-Züge, das Anlegen der Überfahrbrücke oder Rampe für Rollstuhl nutzende Fahrgäste oder das Unterstützen blinder bzw. sehbehinderter Personen zum Erreichen der Zugabteile. Mit der in die S-Bahn-Fahrzeuge integrierten Überfahrbrücke/Rampe können praktisch alle im Verkehrsbereich liegenden Bahnsteighöhen bedient werden. Bedingung für die Nutzung dieses Services ist allerdings, dass der entsprechende Bahnsteig erreicht und am Zielpunkt auch verlassen werden kann.

Eine Übersicht hierzu gibt es unter http://www.vvo-online.de/de/tickets_und_netz/barrierefreies_reisen/index.aspx

In Sachsen soll der beschriebene Mobilitätsservice in den Folgejahren auf weitere DB-Bereiche des Regionalverkehrs, u. a. auf die S-Bahn Leipzig ausgedehnt werden.
 

Rollstuhl-Rugby: EM-Bronze für Deutschland

Das deutsche Rollstuhl-Rugby-Team unter der Leitung von Cheftrainer Pierre Sahm hat sich bei der Europameisterschaft in Dänemark die Bronzemedaille gesichert. In einem hochklassigen Spiel konnten die Deutschen erstmals das Team aus England schlagen und sich direkt für die Weltmeisterschaft 2010 in Vancouver qualifizieren.
 

Schirmherr Horst Köhler
Prominenter Schirmherr

Horst Köhler übernimmt die Schirmherrschaft für das Projekt �Jugend trainiert für Paralympics�. Der Wettbewerb wird als neue Initiative auf dem Sektor des Nachwuchsleistungssports eingeführt, um auch Schülerinnen und Schülern mit Behinderung einen anspruchsvollen bundesweiten Wettbewerb zu ermöglichen. Das erste Bundesfinale findet vom 08. - 10. Juni 2010 im SportCentrum Kamen-Kaiserau statt.
 

Integratives Sportfest

Unter dem Motto �gemeinsam rollt�s� trafen sich im September in Langenfeld die Sportlerinnen und Sportler des cSc (capp Sport cup), einem integrativen Sportfest für Menschen mit und ohne Handicap. �Ob körperbehindert, geistig behindert, gehörlos, blind oder sehbehindert oder gesund - beim cSc kann jeder mitmachen�, so Bernhard Weik, Stifter und Organisator der Veranstaltung.
Die Wettbewerbe des cSc, die traditionsgemäß am 1. Sonntag im September stattfinden, werden von Jahr zu Jahr vielgestaltiger. Waren es zu Beginn hauptsächlich Inlineskater, Tandems, Rollis, Handbikes und Adaptivbikes, die auf dem 2,3 km langen Rundkurs um den Sieg kämpften oder einfach nur dabei sein wollten, so kam im Laufe der Zeit das Dreirad/Fahrrad hinzu, um auch den geistig behinderten Menschen die Teilnahme zu ermöglichen, die keine Inlineskater sind. Danach folgte als neue Disziplin das Liegerad, der Tretroller mit Luftbereifung in verschiedenen Größen und in diesem Jahr erstmals auch das Einrad.
 

Annabel Breuer
Sonderpreis für Annabel Breuer

Bei der �Juniorsportlerwahl des Jahres� ging der Sonderpreis Behindertensport in diesem Jahr an die erst 16-jährige Annabel Breuer aus Biberach. Die Rollstuhlfechterin kehrte mit einem kompletten Medaillensatz von der Europameisterschaft 2009 zurück. Gold mit der Degen-Mannschaft, Silber im Florett-Einzel und Bronze im Degen-Einzel. Bundestrainer Sven Strittmatter sieht sie trotz ihres jungen Alters als Hoffnungsträgerin für die Paralympics 2012 in London. Die Auszeichnung mit dem wichtigsten Nachwuchspreis im deutschen Sport erfolgte vor 700 Gästen beim �Fest der Begegnung� der Stiftung Deutsche Sporthilfe in der Handelskammer Hamburg.
 

Driver Test Station (DTS)
Fahrtauglichkeit � objektiv geprüft

Die Firma Autoadapt, nach eigenen Angaben europäischer Marktführer von KFZ-Umrüstungslösungen für Personen mit eingeschränkter Mobilität, hat auf der IAA in Frankfurt ihre sogenannte Driver Test Station (DTS) vorgestellt. Die Autoadapt DTS wurde als Hilfsmittel für Therapeuten, Ärzte und Krankenkassen entwickelt, um die Fahrtüchtigkeit von Personen in Bezug auf deren Muskelkraft, Beweglichkeit, Verhalten und Reaktionszeit zuverlässig zu testen. Die DTS bietet damit eine Möglichkeit, die Fahrtüchtigkeit einer Person anhand von Fakten objektiv zu beurteilen � zur Sicherheit von Prüfer und der geprüften Person.
�Fallen einige individuelle Messwerte niedrig aus, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass die betreffende Person nicht in der Lage ist, ein Fahrzeug zu führen. Es kommt darauf an Mittel und Wege zu finden, um die Fahrtüchtigkeit mit der passenden individuellen KFZ-Umrüstung zu gewährleisten� sagte ein Firmenvertreter.
�Die Autoadapt DTS kann sowohl als eines von vielen Werkzeugen zur Erstellung eines medizinischen Gutachtens, eines kraftfahrttechnischen Gutachtens beim TÜV oder DEKRA verwendet werden, als auch bei Fahrtüchtigkeitsübungen bei z.B. Rehabilisierungs Institutionen oder KFZ-Umrüstern�, so Harald Freytag. Informationen zur DTS gibt es unter www.autoadapt.de
 

Brigitte Zypries
Brigitte Zypries übernimmt Vorsitz

Brigitte Zypries übernimmt den Vorsitz im Kuratorium des DBS von Friedhelm Julius Beucher, der im vergangenen Juni zum Präsidenten des DBS gewählt wurde.
Zypries gehört dem Kuratorium bereits seit 2004 an. Sie möchte die positive Entwicklung des Verbandes konstruktiv weiter begleiten und vorantreiben. �Die Begleitung und Beratung durch das Kuratorium war im Reformprozess des Verbandes sehr wichtig. Nun aber müssen wir uns den Fragstellungen widmen, die den Verband zukunftsfähig machen�, erläuterte die neue, einstimmig gewählte Vorsitzende des Kuratoriums.
 
Fallpauschale Risiko für Paraplegiker

Der Vorsitzende der Deutschsprachigen Medizinischen Gesellschaft für Paraplegie, Dr. Klaus Röhl, warnt vor der drohenden Gefahr einer Mangelversorgung von Querschnittgelähmten. �Es besteht die ganz große Angst, dass diese Patienten unten durch fallen, weil nicht genug Geld da ist�, so Röhl mit Blick auf die Sparpolitik im Gesundheitswesen. Grund seien die Krankenhaus-Fallpauschalen. Diese seien im Prinzip zwar richtig, aber �die Kosten für eine Gallenoperation zum Beispiel kann man vorher abschätzen, auch wie lange ein Patient dafür in der Regel in der Klinik bleiben muss�, so Röhl. Bei Querschnittgelähmten treffe das aber nicht zu, jeder einzelne Fall sei anders und könne nicht pauschal verglichen werden. Diese Patienten müssten zwischen 14 Tagen und drei oder vier Monaten im Krankenhaus rund um die Uhr behandelt werden. �Da ist die Pauschale ganz schnell aufgebraucht und das Krankenhaus macht Defizite�. In der Praxis sei es notgedrungen häufig so, dass Querschnittgelähmte nach einiger Zeit aus der Klinik entlassen, und dann ambulant betreut würden. �Aber angesichts der komplexen und hoch spezialisierten Behandlungen, die bei diesen Patienten nötig sind, von der Orthopädie, Urologie, Physiotherapie, Ergotherapie bis zur psychischen Betreuung, ist das schlichtweg unmöglich. Das ist für die Betroffenen eine viel zu große Belastung�, sagte Röhl. Das gehe schon damit los, dass viele niedergelassene Praxen für einen Rollstuhlfahrer gar nicht erreichbar seien. Dr. Klaus Röhl leitet in Halle das Zentrum für Rückenmarkverletzte und die Klinik für Orthopädie der Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannstrost.
 

Foto: medi
Prothesenschuhe für Menschen mit Beinamputation

medi Prothetik und Dachstein, der bekannte Hersteller von Schuhen und Bekleidung, entwickelten gemeinsam eine neue Generation von Prothesenschuhen. Angepasst an die hohen Ansprüche und das ausgeprägte Sicherheitsbedürfnis von Beinprothesenträgern, punkten die Schuhe zunächst mit Basismerkmalen wie rutschsicherer ortho-tec Sohle, leichtem Gewicht und weitem Schuheinstieg für einen angenehmen Tragekomfort. Zusätzlich verbessert eine hochgezogene Zehenfront das Abrollverhalten und die integrierten Dämpfungselemente schonen die Gelenkkette. Unter Berücksichtigung orthopädietechnischer Anforderungen können die Schuhmodelle Energieeffizienz, physiologisches Gangbild und dadurch auch die Laufleistung des Prothesenläufers unterstützen: Besonders in Verbindung mit medi Prothesensystemen gewährleisten die Schuhe eine optimale Energieaufnahme, -übertragung und -abgabe beim Gehen, vor allem in Kombination mit den Karbonsystemen medi Clever Bone und medi ESSA sowie mit den medi Flex Karbonfüßen. Die Schuhe gibt es ausschließlich im orthopädietechnischen Fachhandel. Weitere Informationen zu den Prothesenschuhen medi powered by Dachstein gibt es unter der Service-Telefonnummer 01805 003193 oder im Internet unter www.medi.de.
 
Die etwas andere Armprothese

TMR heißt die Technik einer Armprothese, die fließende Bewegungen ohne Verzögerungen erlaubt: Targeted Muscle Reinnervation. Die Prothese wird über reinnervierte Brustmuskeln gesteuert. Die Signale werden von zwölf Elektroden abgenommen und an die Prothese weitergeleitet. Es ist möglich, gleichzeitig die Hand zu öffnen oder zu schließen und den Unterarm zu beugen oder zu strecken. Entwickelt wurde diese Prothese vom Rehabilitation Institute of Chicago (RIC). Filme der ersten Tests an fünf Patienten mit einer Armamputation kann man sich bei You Tube anschauen oder auch auf der Website des RIC: www.ric.org/aboutus/mediacenter/press/2009/0210.aspx
 
Rheumamittel gegen Querschnittlähmung?

Etanercept ist ein Mittel, das üblicherweise gegen Rheuma und Schuppenflechte eingesetzt wird. Jetzt berichtet eine französische Ärztegruppe von einer deutlichen Erholung der sensorischen und motorischen Fähigkeiten bei einem Paraplegiker, der dieses Medikament wegen einer rheumatischen Erkrankung erhalten hatte. Natürlich kann kein Medikament den ursprünglichen Schaden an der Wirbelsäule rückgängig machen. Aber, so der Erklärungsansatz der Autoren, die molekularen und zellulären Reaktionen auf die Verletzung, die �Folgeschäden� lassen sich möglicherweise medikamentös bessern. Der Tumornekrosefaktor Alpha (TNF) scheint eine wichtige Rolle für die Entstehung dieser Folgeschäden zu spielen � und Etanercept ist ein TNF-Gegenspieler. J Rehabil Med. 2009; 41(4): 286-8.
 
Reha-Versorgung gefährdet?

Der Berufsverband der Rehabilitationsärzte und die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns (KVB) sehen die Qualität der physikalisch-rehabilitative Patientenversorgung gefährdet. Hans-Martin Beyer, Vorsitzender des Berufsverbands der Rehabilitationsärzte, erklärte, dass �Volkskrankheiten� wie Osteoporose oder Arthrose mit einer rehabilitativ ausgerichteten Krankenbehandlung aus einer Hand wirtschaftlich nicht mehr zu erbringen seien. �Sollte sich an dem aktuellen Honorarsystem nichts ändern, werden die Patienten zukünftig neben ihrem Hausarzt viele weitere Ärzte benötigen, um die erforderlichen Therapien zu erhalten � dann allerdings ohne Behandlungsplanung, Koordination, inter- und multidisziplinäre Abstimmung und vielem mehr�, warnte Beyer. (aerzteblatt.de)
 

Kiffen gegen Schmerz und Spastik

Noch ist Sativex�, ein Mundspray mit den Cannabisbestandteilen Tetrahydrocannabinol (THC) und Cannabidiol (CBD), nur in Kanada zugelassen � und zwar zur unterstützenden Behandlung von neuropathischen und Tumorschmerzen. Jetzt gibt es erste Studien mit guten Ergebnissen bei MS-Patienten mit Schmerzen, Spastiken und Schlafstörungen. Der Hersteller strebt eine Zulassung in Großbritannien und in �ausgewählten� kontinentaleuropäischen Ländern an. (Ärzteblatt.de)
 
Mit Stoßwellen gegen die Lähmung

Die Stoßwellentherapie wurde erfunden, um Nierensteine von außen, durch die Haut hindurch, zu zertrümmern. Offenbar können diese Wellen � in niedriger Intensität verabreicht � auch Heilungsprozesse in Gang bringen. Seit 15 Jahren wird in der Rheintalklinik Bad Krozingen schon mit Stoßwellen behandelt. Wobei die Experten offen sagen, dass sich diese Methode noch im Experimentalstadium befindet. Anfangs ging es vor allem um Kinder mit spastischen Lähmungen und gestörten Muskelfunktionen, heute oft auch um die Folgen von Querschnittslähmungen und der Spina bifida. Wenn die Stoßwellen auf einen Punkt gerichtet werden, können sie offenbar dafür sorgen, dass sich an dieser Stelle etwas tut: Die Stoßwellen stimulieren Nerven, die zwar �eingeschlafen�, aber möglicherweise trotzdem arbeitsfähig sind. Wissenschaftlicher gesagt: endotheliale Neurotransmitter für das Nerven- und Blutgefäßwachstum werden ausgeschüttet. Die ersten Erfahrungen sind positiv, müssen aber mit aller Vorsicht interpretiert werden. Dr. med. Henning Lohse-Busch aus der Rheintalklinik fasst es so zusammen: �Wir können etwas Zerstörtes nicht heilen, aber wir versuchen, etwas Inaktives, Verschüttetes wieder zu aktivieren�. Bei Ratten mit zerstörten Nerven scheint es zu wirken. Sie brauchen eine bestimmte Zeit, bis sich die Nerven von einer Verletzung erholen. Die Regeneration verläuft wesentlich schneller, wenn sie mit Stoßwellen behandelt werden. Die Erfolge bei der inkompletten Paraplegie sind unspektakulärer: Patienten spüren beispielsweise ihre Blase wieder, können oftmals teilweise gelähmte Muskeln deutlich kräftigen und in Einzelfällen auch Muskeln wieder gebrauchen, die aus dem Grenzbereich der Rückenmarksverletzung gesteuert werden. (Persönliche Information: Lohse-Busch, mehr Infos unter www.amm-rheintalklinik.de)
 

Neues von Tommy

RehaTreff-Leser erinnern sich sicherlich an Thomas Anstoetz, den die Liebe nach Australien zog. Tommy schreibt uns über sein neustes Projekt: Die Internetseite www.planet-wheelchair.de hält interessante Informationen für rollifahrende Urlauber bereit. Hier wird die Barrierefreiheit von Städten und anderen Reisegebieten beschrieben. Die Informationen beziehen sich z. B. auf Unterkünfte und Restaurants in unterschiedlichen Preisklassen, Sehenswürdigkeiten, mögliche Aktivitäten und öffentliche Verkehrsmittel. Das Besondere ist, dass die Seite von Reisenden für Reisende ständig erweitert wird und alle, wirklich alle können mitmachen. Das Motto heißt: Reinschauen! Reisen! Berichten!
 

Neuer Reisekatalog �Sachsen barrierefrei�

Für Menschen mit Behinderung hat die Tourismus Marketing Gesellschaft Sachsen jetzt den aktuellen Katalog �Sachsen barrierefrei 2009/2010� herausgegeben. Der Katalog gibt einen umfassenden Überblick barrierefreier Unterkünfte, Kultur- und Freizeiteinrichtungen in Sachsen. Vorgestellt werden insgesamt 109 Unterkünfte, 308 Kultur- und Freizeiteinrichtungen und sechs Spezialreiseveranstalter. Die Angebote sind nach den sächsischen Ferienregionen Oberlausitz, Sächsisches Elbland, Sächsische Schweiz, Erzgebirge, Sächsisches Burgen- und Heideland, Vogtland sowie den Städten Dresden, Leipzig und Chemnitz geordnet. Bei allen Einrichtungen wird die Zugänglichkeit für Rollstuhlfahrer mit Hilfe von Piktogrammen und Texteinträgen, die im Vorfeld direkt vor Ort geprüft wurden, detailliert dargestellt. Zusätzlich werden Hörschleifen für Hörbehinderte, Texte in Blindenschrift und spezielle Führungen ausgewiesen. Die Broschüre �Sachsen barrierefrei 2009/2010� ist bei der TMGS telefonisch unter 0351-49170-0, per E-Mail an info@sachsen-tourismus.de und kann im Internet unter www.sachsen-tourismus.de bestellt werden und wird kostenfrei verschickt.
 

BaWü barrierefrei

In einer mehr als 100 Seiten starken Broschüre, die komplett neu gestaltet wurde, präsentiert die Tourismus-Marketing GmbH Baden-Württemberg (TMBW) barrierefreie Sehenswürdigkeiten, Ausflugsziele, Hotels und Gaststätten in Baden Württemberg. Die Angebote wurden von reise- erfahrenen Rollstuhlfahrern auf Barrierefreiheit getestet. Insgesamt werden in dem Katalog �Baden-Württemberg � Barrierefrei erleben� mehr als 60 Orte, 180 Sehenswürdigkeiten und Freizeiteinrichtungen sowie 53 Beherbergungsbetriebe präsentiert. Zusätzliche Infos zu den Ausflugs- und Reisezielen sowie die Adressen von zwölf barrierefreien Jugendherbergen gibt�s auf der TMBW-Website. Die Broschüre kann unter www.tourismus-bw.de heruntergeladen, oder beim Prospektservice unter der Rufnummer 01805 556690 bestellt werden (14 ct./min.)
 
Schnelle Verfassungsrichter

Weil einer 48-Jährigen an ALS (Amyotrophe Lateralsklerose) Erkrankten von der Krankenkasse ein Elektrorollstuhl mit Mundsteuerung verweigert worden war, hatte diese den Rechtsweg beschritten. Sowohl vor dem Sozialgericht Duisburg als auch vor dem Landessozialgericht NRW klagte die von einer Anwaltskanzlei aus Lünen vertretene Kranke erfolglos. Die Gerichte beriefen sich unter anderem darauf, den Sachverhalt in dem von den Anwälten angestrebten Eilverfahren nicht hinlänglich klären zu können. Gegen diese Entscheidungen legte die Kanzlei erfolgreich Verfassungsbeschwerde ein. Das Bundesverfassungsgericht hob die Entscheidungen auf und verwies sie zur erneuten Entscheidung zurück an die Sozialgerichte. Bemerkenswert: Das BVG entschied über die Beschwerde innerhalb von nicht einmal zwei Monaten, und war damit schneller als die Sozialgerichte in sogenannten �Eilverfahren. Der Beschluss des Bundesverfassungsgerichtes vom 25.02.2009 (Az: 1 BvR 120/09) ist auf der Homepage des Gerichtes unter www.bundesverfassungsgericht.de im Volltext abrufbar.
 


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