Leichtathletik-Talente: Bolt ist ein Star – und sie wollen es werden

Die Leverkusener Nachwuchsleichtathleten Felix Streng (20), Philipp Waßenberg (17), Timor Huseni (20) und Johannes Floors (20) wollen hoch hinaus. Felix Streng hatte bereits die Ehre, dem schnellsten Mann der Welt im Frühjahr 2015 in Rio live zu begegnen. „Er ist ein Star, hat sein eigenes Security-Team und ist von Kopf bis Fuß durchtrainiert. Beeindruckend, wenn dieser große, breite Mann vor einem steht“, so Streng.

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Philipp Waßenberg, Felix Streng und Johannes Floors (von links) beim Training. Foto: DBS

Doch nicht jeder hat das Glück, seine Leidenschaft zum Beruf zu machen. Die vier jungen Athleten müssen neben regelmäßigen Trainingseinheiten (rund fünf Einheiten pro Woche) fleißig die Schulbank drücken oder eine Ausbildung absolvieren. Doch diese doppelte Belastung nehmen die Athleten für ihren Sport gerne in Kauf. Insbesondere Johannes Floors wurde durch seine Prothese sogar zum Job als Orthopädiemechaniker inspiriert und liebt seine Arbeit. „Mich fasziniert diese Tätigkeit. Vielleicht kann ich bald auch meine eigene Prothese bauen“, sagt der 20-Jährige.

Eine gut sitzende Prothese ist enorm wichtig für alle Athleten und Athletinnen. Denn durch die Reibung am Stumpf kommt es immer wieder zu Irritationen und Entzündungen. Momentan haben auch Felix Streng und Philipp Waßenberg damit zu kämpfen. Felix Streng wurde sogar kürzlich am Stumpf operiert – vier Tage später ist er neuen Deutschen Rekord gelaufen.

Die Frisur muss sitzen

Doch nicht nur die Prothesen müssen sitzen, sondern auch die Frisur. Die deutschen Leichtathletik-Nachwuchshoffnungen witzeln über ihre Rituale vor einem Wettkampf. Johannes Floors pusht sich mit der richtigen Musik, bei Timor Huseni muss die Frisur passen und Felix Streng sagt: „Ich halte nichts von Ritualen. Nachher bringt es dich aus dem Konzept, wenn du dein Ritual nicht durchführen kannst. Gerade in der Vorbereitungszeit probiere ich viel aus, wie ich meine Konzentration weiter steigern kann und noch bessere Leistungen erbringen kann.“ Insbesondere der Sprung vom Junioren- ins Männer-Team erfordert einiges an Anpassungsfähigkeit und Konzentration. „Die Zuschauerränge sind auf einmal gefüllt und die Späßchen der Männer sind noch ungewohnt, wenn sie versuchen, uns aus dem Konzept zu bringen“, schmunzelt Felix Streng.

Doch darüber sind sich die vier Nachwuchsathleten einig: der Sprung ins Männer-Team ist das nächste Ziel. Natürlich neben der Paralympics-Teilnahme 2016 in Rio. Doch bei den starken Leistungen der letzten Wochen scheint dieses Ziel greifbar nah. Felix Streng lief beim integrativen Sportfest in Leverkusen die 100 Meter in 10,97 Sekunden und stellt damit einen neuen Deutschen Rekord auf. Johannes Floors schaffte bei derselben Veranstaltung mit einer Zeit von 49,71 Sekunden über 400 Meter sogar neuen Europarekord – und unterbot diesen wenige Tage später bei der offenen französischen Meisterschaft nochmal um zwei Zehntel. Philipp Waßenberg steht nach seinem Weitsprung über 5,84 Meter auf Platz vier der Weltrangliste und Timor Huseni erzielt in seiner Lieblingsdisziplin, dem Hochsprung, mit 1,60 Meter seine neue persönliche Bestleistung.

Diese Topleistungen sorgen für den extra Schub an Motivation und steigern die Freude auf Wettkämpfe wie die Internationalen Deutschen Meisterschaften Leichtathletik der Menschen mit Behinderung (IDM), die vom 19. bis 21.6. in Berlin stattfinden. Von den Deutschen Meisterschaften erhoffen sich die jungen Athleten natürlich beste Leistungen und Platzierungen – und vielleicht neue Rekorde.

Loretta Hölzel, DBS

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Veröffentlicht in: Sport

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