By Oktober 16, 2018 0 Comments Weiterlesen →

Mit Telemedizin und Apps schmerzmedizinische Versorgung verbessern

Menschen mit Schmerzen werden in Deutschland nicht ausreichend versorgt. Das belegt die jedes Jahr steigende Zahl der Patienten mit chronischen Schmerzen. Da in der Schmerzmedizin vorwiegend kommunikative und medikamentöse Wirkfaktoren eine Rolle spielen, sehen Experten in der Telemedizin und in Apps ein großes Potential, um die schmerztherapeutische Versorgung zu verbessern. Allerdings brauche es nicht nur mehr Forschungsprojekte, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Gesundheits- und Medizin-Apps zu bewerten, sondern auch Standards zum Datenschutz und zur Datensouveränität sowie zur Steuerung von Risiken dieser neuen Anwendungen, fordern Schmerzexperten im Vorfeld des Deutschen Schmerzkongresses 2018 vom 17. bis 20. Oktober in Mannheim.

Die Gründe für die insgesamt unzureichende schmerztherapeutische
Versorgung in Deutschland sind vielfältig. Manche Menschen leben weit
entfernt von spezialisierten Zentren oder Praxen, sie sind nicht
ausreichend mobil oder haben keine Informationen darüber, wie und bei
wem sie eine für sie geeignete Schmerzbehandlung finden können. Dadurch
sind sie von einer adäquaten Versorgung abgeschnitten. „Wer nicht
frühzeitig und angemessen versorgt wird, hat ein höheres Risiko, dass
seine Schmerzen chronisch werden. Häufig stellen sich emotionale
Störungen ein, die Lebensqualität sinkt, Arbeitsanforderungen können
nicht mehr bewältigt werden, es drohen Erwerbslosigkeit oder
Invalidität“, sagt Professor Dr. med. Carla Nau, Kongresspräsidentin des
Deutschen Schmerzkongresses 2018 und Direktorin der Klinik für
Anästhesiologie und Intensivmedizin am Campus Lübeck des
Universitätsklinikums Schleswig-Holstein. Patienten, die unzureichend
therapiert werden, beanspruchen später das Gesundheitssystem erheblich
häufiger und verursachen hohe Behandlungskosten. „Nicht zuletzt aus
diesen Gründen ist es mittlerweile auch gesundheitspolitisches Ziel, die
schmerztherapeutische Versorgung weiterzuentwickeln, auszubauen und zu
differenzieren“, erklärt die Kongresspräsidentin.

Telemedizin und Apps haben besonders in der Schmerztherapie ein
großes Potenzial. Sie bieten die Chance, therapeutische Beratung und
Behandlung über die Grenzen spezialisierter Schmerzzentren hinweg
auszuweiten. „Die Schmerztherapie nutzt vorwiegend kommunikative und
medikamentöse Wirkfaktoren. Einige Projekte belegen, dass sich
Telemedizin, eHealth und Apps besonders in der Schmerztherapie gut
einsetzen lassen“, sagt Nau. Die Expertin verweist auf einige Pain-Apps
mit sogenannten Store-and-Forward-Applikationen, mit denen der Patient
und/oder sein Arzt Daten elektronisch speichern und zu einem späteren
Zeitpunkt sichten und auswerten kann. Dazu gehören die Erfassung der
Schmerzstärke und -lokalisation in einem Schmerztagebuch, die
Auswertungen von Schmerztests, das Erlernen von
Selbstmanagementstrategien und das Teilen von Informationen mit Dritten,
beispielsweise mit dem behandelnden Arzt oder anderen Betroffenen.

Einige Untersuchungen zeigten, dass die Zufriedenheit der Patienten
bei denjenigen höher war, die die App häufiger nutzten. „Allerdings
hatte die Häufigkeit der Anwendung keinen Effekt auf die Stärke der
Schmerzen oder die Aktivität des Patienten“, räumt Nau ein.
Store-and-Forward-Methoden sind in der Schmerzmedizin weit verbreitet,
leicht zugänglich und kostengünstig. „Über die Qualität und Wirksamkeit
dieser Smartphone-Apps wissen wir leider noch nicht genug. Es fehlen
regulatorische Vorgaben und eine wissenschaftlich fundierte Auswertung“,
gibt Privatdozent Dr. med. Tim Jürgens, Kongresspräsident des Deutschen
Schmerzkongresses 2018 und Ärztlicher Leiter des Kopfschmerzzentrums
Nord-Ost, Universitätsmedizin Rostock, zu bedenken.
„E-Health-Anwendungen, Telemedizin und Apps müssen eine
wissenschaftliche Evidenz haben, bevor sie ‚offiziell‘ in den
Behandlungsalltag eingehen können“, betont Jürgens. Erfüllen sie diese
Voraussetzung, könnten sie ergänzend zur konventionellen
schmerztherapeutischen Behandlung einen wichtigen Stellenwert einnehmen.

www.schmerzkongress2018.de

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