By Dezember 11, 2013 0 Comments Weiterlesen →

Rolling Chocolate: Niederlage gegen Deutschen Meister

Trotz der hohen Niederlage verdiente sich Heidelbergs erst 15-jähriger Pointguard Nico Dreimüller (weißes Trikot, hier gegen Thomas Böhme) Bestnoten im Duell David gegen Goliath. Er und seine Mitstreiter überzeugten zudem mit einer beeindruckenden Mannschaftsmoral. Foto: Harald Junk

Trotz der hohen Niederlage verdiente sich Heidelbergs erst 15-jähriger Pointguard Nico Dreimüller (weißes Trikot, hier gegen Thomas Böhme) Bestnoten im Duell David gegen Goliath. Er und seine Mitstreiter überzeugten zudem mit einer beeindruckenden Mannschaftsmoral. Foto: Harald Junk

56:96 lautete das ernüchternde Ergebnis der Begegnung Rolling Chocolate Heidelberg gegen den RSV Lahn Dill und dennoch war bei den Neckarstädtern kein Anzeichen von Frustration auszumachen. Zu tapfer hatte sich die jüngste Mannschaft der 1. Rollstuhlbasketball- Bundesliga gegen den amtierenden Deutschen Meister aus Wetzlar geschlagen. Zwar war der Abstand zum in dieser Saison alles dominierenden Gegner mit 40 Punkten gewaltig und nur um 4 Punkte besser als beim Hinrundenspiel in Wetzlar aber die Entstehungsgeschichte war diesmal eine andere.

Während die Lahnstädter im Saisonauftaktspiel mit einer geschlossen guten Mannschaftsleistung den Aufsteiger vom Neckar gepflegt auseinander genommen  hatten, war es diesmal vor allem einem Akteur des Ligaprimus zu verdanken, dass das Resultat am Ende so deutlich wurde.

Überragender Michael Paye

Der amerikanische Nationalspieler Michael Paye erzielte insgesamt 33 Punkte für die haushoch favorisierten Gäste und schoss damit die Frischlinge aus Nordbaden beinahe im Alleingang ab. Vor allem im 1. Viertel war Aufbauspieler Paye mit allein 18 erzielten Punkten nicht zu stoppen und traf überragend aus allen Lagen, egal ob von der „Parkgarage“ aus oder direkt unter dem Korb der Kirchheimer. Nach einer anfänglichen 2:0- Führung der Hausherren durch Leon Schöneberg (erzielte insgesamt starke18 Punkte), die die erneut zahlreich erschienen Chocolate-Fans kurzzeitig hoffen ließ, starteten die Hessen ihre gefürchtete Angriffsmaschinerie und konnten sich trotz der zu Beginn recht stabilen Zonen-Defense der Heidelberger, eben dank ihres überragend agierenden US- Boys, gleich im ersten Spielabschnitt deutlich absetzten.

Mit 9:22 ging es für Heidelberg in die Viertelpause und es wurde früh klar, dass es gegen die individuelle Klasse der momentanen Übermannschaft wohl nur darum gehen könne den Schaden zu begrenzen und sich auf das eigene Spiel und nicht auf die Anzeigetafel zu fokussieren, was das Team von Trainer Marco Hopp fortan auch tat.

Teamplay gegen körperliche Überlegenheit

Bis zur Pause lieferte die eingeschworene Heidelberger Truppe dem großen Favoriten einen offenen Schlagabtausch und konnte sich immer wieder mit teils sehenswertem Teamplay unter den Korb des Gegners durchbeißen und trotz klarer körperlicher Unterlegenheit den Ball einnetzen, was RSV- und Nationalcoach Nicolai Zeltinger ziemlich oft zu einer Auszeit zwang um seine Titanen neu zu sortieren. Mit 16:21 verlor man am Neckar zwar auch das 2. Viertel agierte aber in dieser Phase beinahe auf Augenhöhe mit den Vollprofis des Serienmeisters. Mit 25:43 ging es für die Rolling Chocolate zum Pausentee. In der Kabine lobte Trainer Hopp seine „Greenhorns“ für die sichtbar engagierte und unaufgeregt wirkende Art sich vor den eigenen Fans zu präsentieren und das gegen einen vor Starspielern nur so strotzenden Gegner.

Schwachstellen in der Defense

Hochmotiviert und vom hohen Rückstand auf dem Tableau unbeeindruckt ging das Team um Führungsspieler André Hopp, der am Ende mit 19 Punkten bester Werfer für seine Farben werden sollte, in das 3. Viertel und wusste auch hier erbitternden Widerstand zu leisten. Während beim Ligaprimus einige Topstars wie Paye und sein US-Nationalmannschaftskollege Steve Serio nun kleinere Auszeiten bekamen nur um durch andere Topspieler wie z.B. den amtierenden britischen Europameister Joe Bestwick ersetzt zu werden, schwanden beim badischen Aufsteiger zwar langsam die ersten Kräfte aber sich einfach so ins Schicksal fügen wollte sich an diesem Tag aufseiten der Rolling Chocolate keiner. Mit einer unbändigen Mannschafts- und Kampfesmoral, die sogar dem Bundestrainer Zeltinger nach der Partie einige Worte der Hochachtung entlockte, schmissen die Kirchheimer all ihre jugendliche Power auf das Spielfeld und verschenkten weiterhin keinen Zentimeter. Doch trotz der aufopferungsvollen und leidenschaftlichen Spielweise der Gastgeber deckten die routinierten Spieler des RSV in aller Seelenruhe die Schwachstellen in der Heidelberger Defense auf und spielten geschickt ihre individuelle Klasse und den deutlich tieferen Kader als Trümpfe zu ihren Gunsten aus.

Mut der Verzweiflung

So schraubte der in dieser Saison bis dato noch ungeschlagene Tabellenführer die Führung auch dank eines nun heiß laufenden U22- Nationalspielers Thomas Böhme weiter nach oben und  erstmals über die 30-Punkte-Marke hinaus. Mit 40:71 nach Ende des 3. Viertels war das Spiel bereits endgültig entschieden doch die „jungen Wilden“ machten auch im letzten Spielabschnitt ihrem Namen alle Ehre und steckten zu keinem Zeitpunkt der Partie auf. Mit dem Mut der Verzweiflung wehrten die nun zunehmend abgekämpft wirkenden Neckarstädter die wütenden Angriffe, der bis in die letzte Faser austrainierten Lahnstädter ab, konnten aber dennoch nicht verhindern, dass der RSV- Express sie zunehmend überrollte. Gerade in der Endphase des extrem intensiv geführten Spiels ließ die Konzentration leider doch etwas nach, und so gelangen dem Gegner auch einige durchaus vermeidbare Punkte. Den Schlusspunkt setzte ein weiterer U22- Junioren-Nationalspieler des RSV, Christopher Huber, mit einem sehenswerten Dreier zum 56:96-Endstand für den RSV Lahn- Dill.

Sonderlob für Dreimüller

Aufseiten der Heidelberger verdiente sich der ebenfalls für die U22- Nationalmannschaft spielende Nico Dreimüller ein Sonderlob, da er erneut mit viel Übersicht und Mut (11 Punkte davon 9 im letzten Viertel) die schwierige Position als Aufbauspieler ausgefüllt hatte.

„Man hat heute wieder gesehen welchen „Luxus“ sich ein RSV Lahn- Dill im deutschen Rollstuhlbasketball leisten kann. Nicht nur die vielen Topspieler aus dem In- und Ausland sind der Grund für den Klassenunterschied, auch die ganze Art wie Rollstuhlbasketball in  Wetzlar wertgeschätzt wird, ist einmalig. Während wir in Heidelberg noch immer um jeden gemeinsamen Trainingstermin kämpfen müssen, trainiert der Deutsche Meister bis zu sechmal die Woche zusammen und das unter äußerst professionellen Bedingungen, das Ergebnis hat man heute auf dem Platz gesehen! Meinen Jungs kann und will ich heute keinen Vorwurf machen, die haben gekämpft bis der Arzt kommt“, zog der früher selbst für den RSV einmal aktive Heidelberger Trainer Marco Hopp am Ende Bilanz zu der verschmerzbaren Niederlage zum Rückrundenstart.

Noch ein Pokalspiel vor der Weihnachtspause

Vor dem Jahreswechsel müssen die jungen Wilden nun noch am kommenden Wochenende in Rahden um den Einzug in das Final Four im DRS-Pokal kämpfen, bevor es in die kurze Weihnachtspause geht. Am ersten Januarwochenende steht dann aber schon das wohl alles entscheidende Spiel gegen den Abstieg in St. Vith an. Ihr nächstes Heimspiel bestreiten die Rolling Chocolate  am Samstag, 11. Januar, wie gewohnt um 17.30 Uhr, in der Halle 1 im SZ Süd in HD- Kirchheim.

 

Für Heidelberg spielten:

Hopp (19), Schöneberg (18), Dreimüller (11), Hammerschmidt (3), Gumpert Th. (3), Frank (2), Ernst, Gumpert Ch., Scherke, Wilke.

Für Wetzlar spielten:

Paye (33), Böhme (17), Bestwick (10), Serio (9), Haller (8), Köhler (8), Zwerger (5), Huber (3), Schell (3), Breuer, Lohmann.

 

 

 

Aktuelle Tabelle der 1. Rollstuhlbasketball- Bundesliga:

 

 

Team

Pkte

Körbe

+/-

Sp

1.

RSV Lahn-Dill

20 : 0

802 : 473

329

10

2.

Oettinger RSB Team

14 : 6

745 : 597

148

10

3.

RSC Rollis Zwickau

14 : 6

703 : 639

64

10

4.

Goldmann Dolphins Trier

12 : 8

746 : 645

101

10

5.

Mainhatten Skywheelers

10 : 10

651 : 623

28

10

6.

BG Baskets Hamburg

10 : 10

698 : 684

14

10

7.

Köln 99ers

8 : 12

612 : 686

-74

10

8.

Roller Bulls

8 : 12

572 : 736

-164

10

9.

Rolling Chocolate Heidelberg

4 : 16

586 : 756

-170

10

10.

Hannover United

0 : 20

500 : 776

-276

10

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Veröffentlicht in: Sport

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