Rollstuhlfahrer spendet Heidelberger Rollstuhlbasketballern 20.000 Euro

Rollstuhlbasketball Rolling Chocolate
Stolz überreichte der Privatspender Sebastian Strubel am letzten Heimspieltag der Saison seinen Rolling Chocolate die über die Jahre zusammengesparte Summe von 20.000 Euro, welche nun bei den Heidelberger Rollstuhlbasketballern, ganz nach deren Credo, in die Jugendförderung fließen soll. Foto: Lars Thieme

Kirchheims „junge wilde“ Rollstuhlbasketballer erhielten Anfang des Jahres völlig überraschend die erfreuliche Nachricht: 20.000 Euro wurden gespendet und das nicht etwa von einem Wirtschaftsunternehmen sondern von einem Privatspender, dem die Rolling Chocolate und deren Sport so am Herzen liegen, dass diese unglaubliche Summe zustande kam. Johannes Ernst, verantwortlich für die Öffentlichkeitsarbeit bei den selbsternannten „jungen Wilden“, traf daraufhin freudestrahlend den neuen Großspender der Chocolate Sebastian Strubel zum exklusiven Interview:

Herr Strubel, wie entstand die Idee, die Rolling Chocolate so großzügig zu unterstützen?

Die Idee hatte ich schon länger. Eigentlich entstanden ist sie bereits vor etwa zwei Jahren, als ich selbst bei den Rolling Chocolate als Trainer der 2. Mannschaft aktiv war und mit eigenen Augen gesehen habe, was sowohl mein damaliges Oberligateam als auch das Team I der jungen Wilden in der 2. und 1. Bundesliga Großartiges geleistet hat. Also habe ich damals angefangen, mir monatlich etwas für die Rollstuhlbasketballer zur Seite zulegen. Aktuell wollte ich mit der so zustande gekommenen Summe vor allem dem Team I Mut machen, das dieses Jahr zwar leider knapp den sofortigen Wiederaufstieg ins Oberhaus verpasst hat aber über Kurz oder Lang wieder in die 1. Liga gehört!

Warum erhalten ausgerechnet die Kirchheimer Rollstuhlbasketballer diese gehörige Finanzspritze und nicht andere Sportarten / Vereine in der Region?

Die Sportart Rollstuhlbasketball fasziniert mich einerseits aufgrund ihrer unglaublichen Dynamik und Komplexität, zu ihr habe ich gewissermaßen den „engsten Draht“. Anderseits wollte ich, da ich als Rollstuhlfahrer selbst in Heideberg wohne, den Spitzensport mit Handicap vor der eigenen Haustür fördern, und da kommt man, hier in Heidelberg, nun mal einfach nicht an den Kirchheimer Rollstuhlbasketballern der SGK Rolling Chocolate vorbei, auch wenn es in diesem Bereich durchaus noch weitere hochklassige Teams in der Region gibt, zum Beispiel das Rollstuhlrugbyteam.

Wir haben aktuell im Vorstand beschlossen, die äußerst großzügige Spende für die Anschaffung eines eigenen Vereinsfahrzeugs zu investieren, um zukünftig gerade unseren jungen Talenten, die oft von weit herkommen, um in Heidelberg zu trainieren/spielen, damit noch mehr unterstützend unter die Arme zu greifen. Ist dies auch in Ihrem Interesse?

Die äußerst sinnvolle Verwendung meiner Spende zur Förderung junger Talente befürworte ich sehr, auch wenn der Verein sicherlich bezüglich der Folgekosten eines eigenen Pkw nach weiteren Finanzierungs-Lösungen suchen muss. Generell bewundere ich den nicht leichten Weg der konsequenten Jugendförderung, bei den nicht zu Unrecht so genannten „jungen Wilden“ und bin überzeugt davon, dass das gutdurchdachte Konzept hier in Heidelberg langfristig betrachtet aufgehen wird und viele gerade junge Spieler davon profitieren werden, die ansonsten vielleicht nicht die Chance hätten, sich sportlich so gut zu entwickeln wie hier am Neckar.

An diesen Aspekt anknüpfend: Was erwarten Sie sich persönlich bzgl. des Werdegangs der Rolling Chocolate in den kommenden Jahren?

Ich erwarte primär, dass die Mannschaften der Rolling Chocolate von ihren Tugenden her so bleiben wie sie sind: jung, sportbegeistert, ehrgeizig. Fürs Team I ist mein großes Wunschziel der Wiederaufstieg in die 1. Bundesliga! Langfristig wünsche ich mir zudem, dass die Heidelberger Rollstuhlbasketballer mit ihrer tollen Jugendförderung wieder zu einer echten Institution im deutschen Rollstuhlbasketball werden und national wie international dauerhaft auf höchstem Niveau ihren Gegnern Paroli bieten können. Speziell für die jungen Talente wünsche ich mir, dass diese in Heidelberg weiterhin positiv erfahren, dass es sich auszahlt, stets am Ball zu bleiben und hart zu trainieren. Jeder junge Mensch, ob mit oder ohne Behinderung, der hier bei den Rolling Chocolate sportlich aktiv und erfolgreich ist, ist für mich persönlich ein Gewinn.

Sie sind ja kein gebürtiger Heidelberger, woher stammen Sie, und wie kamen Sie in die Metropolregion und zu den Rolling Chocolate?

Ursprünglich komme ich aus Pirmasens und bin da auch noch bis heute im Vorstand der dort ansässigen Rollstuhlsportgruppe aktiv. Nach Heidelberg kam ich durch meine berufliche Umschulung vom Koch zum Bürokaufmann. Da es mir in Heidelberg sehr gut gefällt, versuche ich seither hier in der Metropolregion Rhein- Neckar sowohl beruflich als auch privat Fuß zu fassen.“

Mit Erfolg wie man sieht, daher noch eine abschließende Frage: Sie sind ja auch als 1. Vorsitzender des Beirates für Menschen mit Behinderung (BMB) hier in Heidelberg aktiv und haben quasi täglich mit den Alltagsproblemen von Menschen mit Behinderung in unserer Gesellschaft zu tun. Was wünschen Sie sich daher im Allgemeinen für den Umgang mit dem Thema Behinderung in der Gesellschaft bzw. hier in der Stadt und im speziellen für den Spitzensport mit Handicap in der Region?

Vorweg muss ich sagen, dass ich erst durch die Rolling Chocolate erfahren habe, das es den BMB hier in Heidelberg gibt und welche tollen Möglichkeiten dieser bietet, sich gesellschaftlich in der Metropolregion zu engagieren. Das Thema Barrierefreiheit betrifft jetzt schon allein hier im Stadtgebiet in etwa 30.000 Menschen, die in irgendeiner Form und sei es „nur“ aus Altersgründen, in ihrer für den Alltag so wichtigen Mobilität eingeschränkt sind. Daher setzen wir uns beim BMB für eine größtmögliche Barrierefreiheit im öffentlichen Raum ein, damit zukünftig niemand mehr aufgrund seiner vermeintlichen „Einschränkung“ aktiv wie passiv gesellschaftlich benachteiligt wird.

Bezüglich des Spitzensports mit Handicap wäre es aus meiner Sicht äußerst wünschenswert, dass das hiesige Angebot deutlich erweitert wird. Wir haben zwar bereits vergleichsweise viele Angebote, etwa für querschnittgelähmte Rollstuhlfahrer, aber in der Breite gibt es auch in Heidelberg noch großes Entwicklungspotential. Außerdem würde ich mir wünschen, dass der Spitzensport, wie ihn die Rolling Chocolate vorleben, gerade was die finanzielle Unterstützung betrifft, unabhängig davon gesehen und bewertet wird, ob ihn Menschen mit oder ohne Behinderung leisten. Aus meiner Sicht bietet der Rollstuhlbasketball gerade durch seine Offenheit für behinderte und nicht behinderte Athleten ein leuchtendes Beispiel, wie man in der Gesellschaft die leider immer noch viel zu häufig vorhandene „Scheu“ ablegen kann, indem man gemeinsam, im Übrigen äußerst erfolgreich, Sport treibt und das sollte entsprechend honoriert werden.

Vielen Dank Herr Strubel, für das offenherzige und sehr informative Interview.

 

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