Rosenball: langsamer Walzer mit Prothese

Tanzen mit Prothese

Darja und Frank Binder beim Rosenball in Mannheim. Foto: Anpfiff ins Leben e.V.

Ein Hauch von Glanz und Glamour umwehte den Rosengarten Mannheim am vergangenen Wochenende. Damen und Herren in Abendgarderobe betraten das Gebäude, Tänzerinnen in bunten Trikots huschten über die Gänge, die Musiker der Jack-Million-Band arrangierten sich im Mozartsaal mit ihren Instrumenten. Das Tanzfestival m)))motion steuerte auf ein Highlight zu: den Rosenball am Samstagabend. Unter den Gästen befanden sich auch vier Tanzpaare der Bewegungsförderung für Amputierte, die zeigten, dass Tanzen auch mit Prothese möglich ist.

Durch den Abend führte das Moderatoren-Duo Sabine Mayer-Kronenberger und Dennis Hinzpeter. Nachdem Amateur- und Profitänzer über das gewienerte Parkett gewirbelt waren und der erste Publikumstanz absolviert, kamen Dietmar Pfähler und Diana Schütz von Anpfiff ins Leben e.V. auf die Tanzfläche und wurden interviewt. Sie erzählten von „Anpfiff ins Leben“ und der Bewegungsförderung für Amputierte, den verschiedenen Sportarten, die sie anbieten und ihrer Hoffnung, noch mehr Menschen mit dem Angebot zu erreichen. Im Anschluss eröffneten Darja und Frank Binder den nächsten Publikumstanz mit einem Langsamen Walzer. Darja Binder ist seit zwei Jahren oberschenkelamputiert und war schon vorher begeisterte Tänzerin. Nach und nach entdeckten sie und ihr Mann, was mit Prothese möglich ist: Disco Fox, Rumba, Foxtrott und Langsamer Walzer. „Ich war wahnsinnig aufgeregt, fand es aber total schön, beim Rosenball tanzen zu dürfen. Ich hoffe, dass wir durch unseren Auftritt auch andere Paare zum Tanzen motivieren können und dass die Leute, die uns heute Abend zugeschaut haben, das Angebot der Bewegungsförderung für Amputierte weitertragen“, sagte Darja Binder im Anschluss. Ihr Traum ist es, „ein Turnier mit einer eigenen Disziplin für Tänzerinnen und Tänzer mit Amputation auszurichten.“

Das Publikum bewunderte den Mut des Paares – und viele gesellten sich zu ihnen, bis Darja und Frank von Tänzerinnen und Tänzern umgeben waren. „Ein Tanz vor 2.000 Leuten auf dieser großen Fläche – da ist die Aufregung enorm. Toll, dass Darja und Frank Binder das gemacht haben! Es hat super geklappt. Mir war es wichtig zu zeigen, dass es auch nach einem Schicksalsschlag die Möglichkeit gibt, eine Sportart wie das Tanzen zusammen mit seinem Partner zu bestreiten. Beim Rosenball sind 800 Tanzschulen vor Ort. Ich hoffe, dass sich einige entschließen, ebenfalls die Initiative zu ergreifen und ihre Türen für Menschen mit Behinderung zu öffnen“, wünschte sich Stefan Ossenkop, Projektmanager bei m:con und Organisator des Rosenballs.

Zitate

Michael Hull, Tanzrichter, Tanzlehrer sowie mehrfacher Weltmeister im Tanzen: „Ich verfolge den Behindertensport sehr aufmerksam. Trotz Amputation oder einer anderen Behinderung können diese Tänzer manchmal mehr als wir anderen. Das Paar der ,Bewegungsförderung für Amputierte‘ hatte großen Mut, hier aufzutreten. Das bewundere ich.“

Andre Haidl, jüngster ausgebildeter Tanzlehrer für Disco-Fox in Deutschland (2016): „Ich habe noch nie ein Tanzpaar gesehen, bei dem ein Partner amputiert ist. Es zeigt, dass Tanzen etwas für jedermann ist. Der Tanz von Darja und Frank Binder war schön anzusehen. Ein Tanztraining für Menschen mit Amputation wäre für mich eine Herausforderung, der ich mich stellen würde.“

Anna-Maria Gantert aus dem Publikum: „Ich war erstaunt, fand es aber toll, dass die junge Frau das gemacht hat.“

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Veröffentlicht in: Gesellschaft, Nachrichten

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