Mit „Ninja“-Spirit zur EM – und nach Rio

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Sebastian Diez fährt voller Zuversicht nach Rio. Foto: Marcus Hartmann, www.photo-hartmann.de

Leichtathletik-EM: Sebastian Dietz wurde 2015 überraschend Weltmeister in seiner neuen Disziplin, dem Kugelstoßen – In diesem Jahr sollen weitere Medaillen folgen: bei der EM und den Paralympics

Auch in der RTL-Action-Show bewies Sebastian Dietz: Er ist ein Kämpfer, der niemals aufgibt. Und an sich glaubt. Mit diesen Tugenden ist der Diskuswurf-Goldmedaillengewinner von London nun auch in seiner neuen Disziplin, dem Kugelstoßen, ein Topfavorit bei der anstehenden EM – und bei den Paralympics in Rio. Den Weltmeistertitel hat er 2015 als Quereinsteiger bereits überraschend geholt.

„Ninja Warrior Germany – die stärkste Show Deutschlands“ verspricht RTL seinen Zuschauern in diesem Sommer. „Der zu absolvierende Parcours bringt die Kandidatinnen und Kandidaten an ihre Leistungsgrenzen.“ Harte Kerle, taffe Ladies, ein Auslesewettkampf gegen sich selbst, die Hindernisse und die Kontrahenten. Und mittendrin als einer der „Ninjas“: Sebastian Dietz. Paralympics-Champion 2012 im Diskuswerfen, Weltmeister 2015 im Kugelstoßen. Er ist ‚inkompletter Tetraplegiker’, seit einem Verkehrsunfall 2004 mit Lähmungen links, Muskelschwund rechts, Spastiken. „Ich wollte zeigen, dass alles geht. Man muss nur wollen“, begründet der 31 Jahre alte Sebastian Dietz seine Teilnahme an der sportlich harten Spielshow. „Mir war natürlich klar, dass ich nicht die 100.000 Euro Siegprämie gewinne.“

Wesentlich realistischer als dieses Geld ist für ihn Gold. Zunächst bei der Leichtathletik-EM vom 10. bis 16. Juni im italienischen Grosseto. Vor allem aber bei den Paralympischen Spielen in Rio. „Die EM ist jetzt ein wichtiger Wettkampf in der Vorbereitung auf Rio“, sagt Dietz, „die Paralympics sind aber klar das Wichtigste in diesem Jahr“. Wie sich das anfühlt, konnte er schon 2012 in London erleben – „traumhaft“, natürlich, „vor 80.000 im Olympiastadion“. Damals siegte er im Diskuswurf, wo er auch Weltrekordler ist. Jetzt aber bereitet er sich im Kugelstoßen auf Rio vor. „Diskuswurf wurde nach London für meine Startklasse aus dem Programm gestrichen“, sagt er, „das hat mich ziemlich genervt, für mich gibt es auch keine logische Begründung“. Aber ein „Ninja“ kämpft, und gibt nicht auf: „Ich wollte beweisen, dass es trotzdem geht.“

Sebastian Dietz: „Die harte Arbeit hat sich gelohnt“

Also ‚gab er sich die Kugel’. Kugelstoßen wurde für Rio in der Klasse F36 (Ganzkörperlähmung mit Spastik an allen vier Extremitäten) neu ins Programm aufgenommen – und so konzentrierte sich Dietz fortan darauf. „Ich gehe das jetzt an“, lautete der Entschluss. Wieder eine Herausforderung, wieder ein Ziel. Mit Trainer Alexander Holstein erarbeitete er sich mühevoll eine Drehstoßtechnik. „Für einen Tetraplegiker mit Gleichgewichtsstörungen ist das nicht leicht“, erklärt Dietz, „aber die harte Arbeit hat sich gelohnt“. Aufgeben ist eben keine Option. Nie. Ende Oktober 2015 gewann er in Doha mit 14,87 Metern den WM-Titel im Kugelstoßen. Am 18. Mai dieses Jahres überbot er die Rio-Norm mit 14,72 Metern über mehr als einen Meter, führt die Weltrangliste an.

Nach seinem schweren Unfall als 19-Jähriger hatten die Ärzte ihm zunächst eine Lähmung von der Halswirbelsäule abwärts vorausgesagt. Inakzeptabel, fand Dietz nach dem ersten Schock. Er kämpfte, arbeitete, trainierte, lernte tatsächlich wieder gehen, machte wieder Sport. Leistungssport. Entdeckte sein Talent für Wurf und Stoß und entschied letztlich, ausschließlich als Profisportler zu leben. Sechsmal Training in der Woche, Lehrgänge, Wettkämpfe, Vorträge.  Es gibt Sponsoren, Unterstützung durch den Verband und die Sporthilfe. So funktioniert’s.

Nur den geliebten Fußball kann er aktiv nicht mehr ausüben. Doch der einst sehr talentierte Torwart mag auch davon nicht völlig lassen. Seit Jahren ist er erfolgreich Trainer der Landesliga-Fußballerinnen des SC Enger aus dem Kreis Herford. „Das mache ich mit Leidenschaft. Ich kenne mich mit Trainingsmethodik gut aus, die Mädels akzeptieren das vollkommen.“ Behinderung? Spielt keine Rolle. Natürlich nicht.

Als „Ninja Warrior“ hat er seine Grenzen getestet, sich dem Wettkampf mit Nicht-Behinderten gestellt – „es gab keine Sonderbehandlung“. Er hat den schwierigen Parcours bewältigt. Die Herausforderung angenommen. Und es wäre untypisch für den ehrgeizigen Sebastian Dietz, wenn ihm das Dabeisein schon gereicht hätte: „Grundsätzlich erhofft man sich immer mehr. Ich war nicht ganz zufrieden mit mir.“ Aber mal ehrlich: Hauptsache ist doch, er ist nach dem Wettkampf in Rio zufrieden.

Quelle: Medienmannschaft

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Veröffentlicht in: Sport

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