REHACARE: Pflegewissen für Profis und pflegende Angehörige

REHACARE Düsseldorf

Im Forum Leben mit Pflege@home geht es Ende September auf der REHACARE Düsseldorf unter anderem um die Wundversorgung von Pflegebedürftigen. Foto: Messe Düsseldorf

Aktuelles Wissen für die häusliche Versorgung von Menschen mit Pflegebedarf vermittelt bei der internationalen Fachmesse REHACARE Düsseldorf vom 28. September bis 1. Oktober 2016 das Forum Leben mit Pflege@home in der Messehalle 3.  Die Pflegeakademie Niederrhein, Willich, hat ein vielfältiges Informations- und Fortbildungsprogramm zusammengestellt, das professionelle Pflegekräfte und Wundexperten, aber auch  alle, die Angehörige zu Hause betreuen, mit neuen Erkenntnissen versorgt und ihnen praxisorientierte Hilfen an die Hand gibt.

Gelungener Brückenschlag

Mehr als 300 Pflegeprofis und pflegende Laien besuchten im letzten Jahr die Vorträge und Seminare im Pflegeforum der Messe. Damit konnte sich dieses neue Angebot auf Anhieb beim Publikum etablieren. „Der Zuspruch hat unsere Erwartungen weit übertroffen. Es gab viele intensive Diskussionen zwischen beruflich Pflegenden und pflegenden Angehörigen. Wir haben mit unserer Themenauswahl erfolgreich eine Brücke über alle Zielgruppen hinweg geschlagen, die die häusliche Versorgung von Menschen mit Pflegebedarf sicherstellen“, so Heike Senge, Geschäftsführerin der Pflegeakademie Niederrhein.

Thementag Wunde zum Messeauftakt

Die Vorträge zum Messeauftakt am Mittwoch zur „Wundversorgung im ambulanten Bereich“ richten sich auch bei der REHACARE 2016 speziell an Wundexperten nach ICW. Die Initiative Chronische Wunden e.V. (ICW) vergibt für den Besuch der Fortbildungsveranstaltungen Zertifizierungspunkte.

Madeleine Gerber, Leiterin der ICW-Geschäftsstelle, stellt am Beispiel der Wunde das Trajekt-Modell vor, die Flugbahn einer chronischen Erkrankung. Wunden und/oder ihre Therapie verändern die Lebensführung von Betroffenen oft grundlegend und führen zu vielfältigen Einschränkungen im Alltag: Der Flug des Lebens wird durch unterschiedlich starke Turbulenzen gestört. „Therapeuten tun deshalb gut daran, den Blick nicht nur auf die aktuelle Wundsituation zu richten, sondern auch auf das Lebensumfeld, auf kognitive und finanzielle Möglichkeiten sowie auf Befindlichkeiten des Patienten. Auch das soziale Umfeld spielt eine wichtige Rolle“, so die Wundexpertin.

Dipl.-Pädagoge und Hypnotherapeut Bruno Hambüchen befasst sich mit der Beziehung zwischen Pflegebedürftigen und Pflegenden. Letztere werden darin häufig zu mächtigen Bezugspersonen, die den Umgang des Patienten mit sich und seiner Erkrankung verändern und damit auch den Verlauf des Wundheilungsprozesses beeinflussen können.

Carsten Hampel-Kalthoff, Geschäftsführer ORGAMed Dortmund GmbH, referiert über „Wunsch und Wahrheit – Diskrepanz zwischen Patient und Versorgung.“ Prof. Dr. Martin Grunwald, Leiter des Haptik-Forschungslabors an der Universität Leipzig,  führt im letzten Vortrag des Tages in die Welt des Tastsinns und seine Bedeutung für unsere Körperwahrnehmung ein. Krankheiten wie u.a. Adipositas und Diabetes werden oft von Körperbildstörungen begleitet. Was kann man tun? Die Erkenntnisse des Haptik-Forschers sollen spannende Antworten liefern.

Palliativpflege: Herausforderung für Angehörige

Am Donnerstag, 29. September, ist die Palliativpflege das zentrale Thema im Forum Leben mit Pflege@home. Die Pflege von unheilbar kranken Menschen steht derzeit ganz oben auf der Agenda der Gesundheitspolitik und hat das Thema in den Blickpunkt einer breiten Öffentlichkeit gerückt. Prof Dr. Manfred Lütz, Psychiater, katholischer Theologe, Schriftsteller und bekannter Kabarettist, leitet den Tag mit einem humorvoll-satirischen Vortrag ein, der den Titel „Lebenslust – Über Risiken und Nebenwirkungen der Gesundheit“ trägt.

Manuela Galgan, Pflegewissenschaftlerin und Stellvertretende Leiterin der Palliativstation am Evangelischen Krankenhaus Niederrhein, Duisburg, beschäftigt sich mit der Begleitung von Angehörigen im palliativen Setting. Wie können Angehörige im pflegerischen Kontext begleitet werden? Wie lassen sich Belastungen reduzieren und die Lebensqualität dieser „Mitbetroffenen“ steigern?

Dr. med. Christoph Gerhard, Leitender Arzt für Palliativmedizin und Vorsitzender des Ethikkomitees am Katholischen Klinikum Oberhausen, spricht über „Autonomie trotz schwerer Erkrankung“.

Miteinander leben bei Demenz

Dement? Oder nur alt? Das Programm am Freitag beschäftigt sich mit Begleitung und Beratung von Menschen mit Demenz, ihren Familien und mehrt das Verständnis für dieses Krankheitsbild. Dipl.-Pädagoge Erich Schützendorf, bekannt als Autor und querdenkender Fachmann in Sachen Altenpflege, beschäftigt sich seit mehr als 40 Jahren mit Beziehungen zu Menschen mit Demenz. Er versucht Kompromisse für ein Miteinander zu finden, die sowohl den Betroffenen als auch ihren Begleitern so gut gerecht werden, wie es unter den schwierigen Umstanden möglich ist. Seine Vortragsthemen lauten: „Darf man gegen den Willen von Menschen mit Demenz handeln? Wie stärkt man Angehörige?“

Kulturen prägen Pflege

Der letzte Messetag steht unter dem Motto „Kultur in der Pflege oder Pflege in der Kultur?“ Menschen unterschiedlicher Kulturen haben durchaus auch unterschiedliche Auffassungen zu der Frage, wie angemessen auf die Pflegebedürftigkeit eines Familienmitglieds reagiert werden soll. Häufig wird Pflege ausschließlich als Aufgabe der Familie gesehen. Professionelle Hilfe anzunehmen oder sich auf Hilfsangebote wie ehrenamtliche Unterstützung einzulassen, fällt schwer. Auch Prävention wird in Familien mit Migrationshintergrund oft anders gesehen. „Die Thematik wird zunehmend relevanter, weil die Alterung der Gesellschaft inzwischen auch diese Familien erreicht hat“, so Heike Senge.

Welche Lösungen es speziell für diese Menschen in unserer Gesellschaft gibt, zeigt Prof. Dr. Wilfried Schnepp, Universität Witten/Herdecke, Fakultät für Gesundheit (Department für Pflegewissenschaft), in seinem Vortrag auf. Zeynap Babadagi-Hardt, Krankenschwester und Inhaberin „die Pflegezentrale“ Kranken- und Altenpflege GmbH, Duisburg, beleuchtet das Thema aus der Sicht einer Pflegenden mit Migrationshintergrund. Das komplette Programm im Forum Leben mit Pflege@home ist auf www.rehacare.de abrufbar.

Über die REHACARE INTERNATIONAL Düsseldorf

Die REHACARE INTERNATIONAL ist Europas führende Fachmesse für Rehabilitation und Pflege. Sie findet alljährlich im Herbst auf dem Düsseldorfer Messegelände statt. Rund 950 Aussteller aus 34 Ländern bieten bei der REHACARE 2016 vom 28. September bis 1. Oktober in sechs Messehallen einen repräsentativen Überblick über Hilfen für ein selbstbestimmtes Leben. Ein Kongress, zahlreiche Themenparks und Informationsveranstaltungen in den Hallen laden dazu ein, sich über die aktuellen Themen und Trends rund um Rehabilitation, Pflege und Älterwerden zu informieren. Die Fachmesse ist mittwochs bis freitags von 10.00 bis 18.00 Uhr geöffnet, am Samstag von 10.00 bis 17.00 Uhr. Weitere Informationen sowie Eintrittskarten für Fachmesse und Kongress sind im Internet-Portal www.rehacare.de erhältlich. Der Ticketshop ist ab Ende Juni geöffnet.

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